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Andalusienreise 

(2009)


oder:Wie ein Lied die Herzen der Spanier öffnet

„Se no hay vista Sevilla, no hay vista una meravilla!“ –

„Wenn du Sevilla nicht gesehen hast, hast du noch kein Wunder gesehen!“,

so ein sevillanisches Sprichwort und es ist wahr: Selbst wer nicht an Übersinnliches glaubt, ein Besuch von Sevilla könnte das ändern. Die Suche nach dem wundervollen Sevilla führt uns, gut 230 Teilnehmer der Andalusien-Reise des Chores der Polizei München, zuerst zu einem der vielleicht himmlischsten Orte: zur gigantischen Kathedrale, dem größten gotischen Bauwerk der Welt. Dem Himmel noch ein Stückchen näher kann man sich fühlen, wenn man den Giraldo, den Glockenturm, der ursprünglich als Minarett errichtet wurde, hinaufklettert, die Stadt von oben betrachtet und den einmaligen Blick auf die Dächer Sevillas genießt.

Zur gleichen Zeit trifft sich eine kleine Abordnung im Hauptquartier der andalusischen Polizei. Der Landespolizeipräsident, Jefe Superior Don Enrique Alvera, und der örtliche Polizeipräsident, Jefe Provincial Don Juan Rojo, haben zum Empfang geladen. Der Vorsitzende unseres Chores, Michael Fischer, überbringt die offiziellen Grüße des Münchner Polizeipräsidenten, Prof. Dr. Schmidbauer, und spricht in dessen Namen die Einladung in die bayerische Landeshauptstadt aus.

Ein weiteres Wunder von Sevilla sind seine Plätze und Innenhöfe und so findet abends das erste Konzert der Reise statt, in einem „Patio“, einer romantischen Oase inmitten der Großstadt. Das Programm lässt keine Wünsche offen, denn von altem deutschem Liedgut wie „Ännchen von Tharau“ über Lieder aus dem Walt-Disney-Klassiker „Das Dschungelbuch“ bis zu Barbershop-Songs wie „Dinah“ ist alles dabei. Das erste Lächeln huscht den spanischen Ehrengästen bei „Cielito Lindo“ über das Gesicht. Ein breites Lachen wird daraus, als der Chor zum Abschluss das Lied „Salve – de la misa rociera“ anstimmt.

Der Zauber Sevillas wirkt: Nicht nur den Sängern ist er anzumerken, sondern auch den Zuhörern und Ehrengästen, darunter der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Berthold Johannes, der Vertreter der spanischen Polizei, Don Juan Rojo, sein Stellvertreter Don Juan Santano sowie der Comisario Jefe, Don Jesus GÓMEZ Palacios.

Ein wundervoller Ort mit Flair, der aber nicht der einzige ist, denn die sevillanische Nacht ist ein unendliches Wunder: Das Restaurant „Rio Grande“, idyllisch am Ufer des Guadalquivir gelegen, erlaubt einen fantastischen Blick auf die beleuchtete Altstadt. Das Menü und die Weine schmecken fantastisch und bieten genug Gründe, nicht schlafen zu gehen. Da wir es aber trotzdem irgendwann tun müssen, träumen wir einen der herrlichsten Träume unseres Lebens – den Traum vom Wunder von Sevilla.

Auch das 90 Kilometer entfernte Jerez de la Frontera geizt nicht mit Zauberhaftem: Es ist nicht nur Hauptstadt des Sherry, sondern auch die Heimatstadt der leidenschaftlichsten Pferdeliebhaber Europas. Wir besuchen die Königliche Hofreitschule, das weltberühmte Zentrum der Hohen Schule für die weißen andalusischen Pferde, und bewundern die rassigen Vierbeiner bei einer Dressur-Vorführung. Nach einer kleinen Stärkung mit andalusischen Köstlichkeiten und Sherry ist auch der Chor für eine kleine Einlage bereit: Er nimmt in einer ehemaligen Lagerhalle, die mit alten Fässern bestückt ist, Aufstellung und gibt einige Lieder zum Besten. Auch hier ist „Salve – de la misa rociera“ Auslöser für Bravo-Rufe der spanischen Zuhörer. Das Polizeioberhaupt von Jerez, Inspector Antonio Padillo Pinero, ist so begeistert, dass er eine Polizeieskorte bereitstellt, die unsere Busse flüssig aus dem Verkehrschaos von Jerez hinausbegleitet.

Am nächsten Tag verlassen wir Sevilla und fahren durch das Herz Andalusiens Richtung Cordoba, der Stadt der drei Kulturen, der christlichen, der jüdischen und der arabischen. Über viele Jahrhunderte lebten diese dort meist friedlich zusammen und hinterließen dabei ganz Erstaunliches. Zum Beispiel eine wunderschöne Moschee aus dem 8. Jahrhundert, in deren Zentrum ein christlicher König Jahrhunderte später eine riesige Kathedrale bauen ließ, die Mequiza. Etwa 860 Marmorsäulen in parallel verlaufenden Reihen tragen jeweils zwei übereinander liegende Bögen und bewirken so ein besonderes Spiel von Licht und Schatten. Der Chor nimmt die Gelegenheit wahr und nutzt die hervorragende Akustik für ein kleines Konzert. Als das „Salve“ ertönt, das schon bei den vorherigen Auftritten große Begeisterung hervorrief, fangen einige Spanier zu tanzen an. Wir können leider nicht länger verweilen, es geht weiter Richtung Küste. Und so erreichen wir kurze Zeit später die Costa del Sol, wo wir bei Meeresrauschen einschlafen und von Ronda, unserem nächsten Ziel, träumen.

Das spanische Dichter-Genie Garcia Lorca nannte sie „die weiße Mauer Spaniens“ – die Dörfer Andalusiens, die wie weiße Würfel auf den Berghängen westlich von Jerez schon aus der Ferne zu sehen sind. Fasziniert von der Schönheit der Natur fahren wir am nächsten Tag nach Ronda, dem eigentlichen Juwel der Weißen Dörfer. Es thront auf zwei Felsplateaus hoch über dem Tal, geteilt durch den Tajo, einen 160 Meter tiefen Einschnitt. Verbunden sind La Ciudad, die von den Arabern gegründete Altstadt, und der jüngere Stadtteil El Mercadillo durch eine 98 Meter hohe Brücke. Ein eindrucksvolles Bauwerk, das sich als doppelte Attraktion erweist: Zum einen als schwindelerregender Beweis wagemutiger Architektur, zum anderen als Aussichtspunkt für einen unvergesslichen Blick auf die Bergketten rund um Ronda. Vor dieser gigantischen Kulisse gibt der Chor sein nächstes Konzert. Alle Zuhörer suchen sich einen schönen Platz und genießen die einmalige Kombination von Natur und Musik.

Der musikalische Höhepunkt der Reise jedoch erwartet uns am folgenden Tag: Die Gestaltung der Bischofsmesse in der Kathedrale zu Málaga durch den Polizeichor. Der Chor wird in dem imposanten Chorgestühl der Catedral de la Encarnación positioniert. Die Kirche ist voll besetzt und unzählige Besucher lauschen andächtig der Darbietung der Münchner Sänger. Nach der Messe bittet der Erzbischof den Chor um ein gemeinsames Foto vor der Kathedrale.

Beim Hinausgehen verleiht der Repräsentant der Polizei von Málaga, Comisario Principal José Antonio Ruiz Toledo, seiner Begeisterung Ausdruck und ruft: „Das ist ein Chor!“ Auch der deutsche Konsul, Georg Hagl, und sein Vertreter, Vizekonsul Bruno Schmitz, waren bei der Messe anwesend. Der Generalkonsul aus Sevilla hatte sie nach unserem dortigen Konzert kontaktiert und ihnen wärmstens empfohlen, sich den Auftritt nicht entgehen zu lassen.

Nach dem musikalischen Höhepunkt folgt der kulturelle: Wir fahren nach Granada und besuchen die Alhambra, das schönste, wenn auch nicht freiwillig übergebene Geschenk der Mauren an die Spanier. Dieses Glanzstück aus Säulen, Keramik, Stuck und prächtigen Gartenanlagen ist ein Muss für jeden Andalusienbesucher. Von außen eher wuchtig, ist innen eine grazile Eleganz anzutreffen, die ihresgleichen sucht. Die Elemente Licht, Schatten und Wasser sind spielerisch perfekt eingesetzt und beeindrucken uns zutiefst.

Wir trennen uns nur sehr widerwillig von diesem weltberühmten Palast, doch das Ende der Reise naht und will gebührend mit einem Abschlussabend gefeiert werden. Das Restaurant hat sich extra für uns zu einem Schlosssaal herausgeputzt, das köstliche Menü wird von spanischen Flamenco-Tänzerinnen begleitet und der Chor singt noch mal einige seiner schönsten Lieder. Als Ehrengäste finden sich neben Comisario Principal Ruiz Toledo und den beiden deutschen Konsuln auch Freunde des ehemaligen Münchner Polizeipräsidenten Prof. Dr. Manfred Schreiber ein.

Gemeinsam stimmen alle noch ein letztes Mal das Lied „Salve“ an und lassen bis tief in die Nacht die diesjährige Chorfahrt ausklingen, bevor wir am nächsten Tag ein bisschen wehmütig die Heimreise antreten.

Es war – wie jedes Mal – eine tolle Reise: Wunderschöne Landschaften, blühende Orangenbäume, überwältigende Bauwerke, das spanische Flair der Städte und Dörfer Andalusiens, Frühlingssonne und viel Wärme, köstliches Essen, eine ganze Menge an neuen Erfahrungen – und nicht zu vergessen der Chor, der mit seinem Können und Charme wieder alle verzaubert und begeistert hat. Bis zum nächsten Mal!
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