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Arabische Emirate (1982)

Ein Märchen aus 1001 Nacht


Was machen 60 uniformierte Ordnungshüter aus Bayern bei 40 Grad im Schatten in einem Scheichtum am Persischen Golf? Testen sie die Tropentauglichkeit der Oestergaardischen Khakihemden? Oder suchen sie Kamele für die Münchner Reiterstaffel aus? Versuchen sie gar ihren arabischen Kollegen die „Münchner Linie“ beizubringen? Dreimal falsch geraten - sie singen.
Für 9 Tage fuhren vom 28. Februar bis 08. März 1982 die Mitglieder des Münchner Polizeichores mit fast 150 Fans in die Vereinigten Arabischen Emirate nach Sharjah und Dubai, um dort Konzerte zu geben. „Ännchen von Tharau“ oder „Der Lindenbaum“ standen dabei ebenso auf dem Programm wie „La Montanara“ - ein für die Scheichs reichlich ungewohnter Kulturgenuß aus den fernen Westen.

Ganz begeistert waren die Reiseteilnehmer bei der Ankunft der Chartermaschine auf dem supermodernen Flughafen des Golfscheichtums Sharjah. Dort wird nicht wie bei uns einmal sondern gleich vier (!) Mal kontrolliert. Eine Ausnahme wurde da auch für die Münchner Polizisten nicht gemacht, die mit einer Sondererlaubnis des Bayerischen Innenministeriums in Uniform aus dem Flugzeug stiegen.


Ein Sonnenaufgang aus 1001 Nacht

 

 

 

 

 

 


Gruppenbild mit Scheich

Schon am ersten Abend bekamen vier Sänger einen ersten Eindruck von der arabischen Gastfreundschaft. Beim Abendessen im Hotel wurden sie von einem Araber angesprochen und zu einer privaten Feier eingeladen. Wie sich später herausstellte, war es eine Hochzeitsfeier, was sich den Münchnern jedoch erst nach einigen Stunden offenbarte.

„Wir stellen fest, dass bei Gebäuden und Ausrüstung Geld keine Rolle spielt“, so schildert der Vorsitzende des Polizeichores, Walter Renner, etwas neidisch seinen Eindruck vom Besuch des Polizeihauptquartiers in Dubai. Dort wurden die Sänger aus München vom Polizeipräsidenten selbst empfangen. Als Gastgeschenk überreichte der Chor eine Bayerische Polizeimütze.
Bei einem Empfang wurden Erfahrungen ausgetauscht und über die örtlichen Probleme der Kollegen am Persischen Golf gesprochen. Gewaltverbrechen und Eigentumsdelikte spielen hier kaum eine Rolle, dafür machen ihnen die Verkehrsprobleme viel Arbeit. Ohne Führerschein und Fahrausbildung rasen die Wüstensöhne mit ihren PS-starken Luxusautos durch das Scheichtum und sorgen für Unfallzahlen, bei denen Münchens ehemaliger Polizeipräsident , Dr. Manfred Schreiber vermutlich an seinen Rücktritt gedacht hätte. Des Weiteren stellen die illegal eingereisten Arbeiter aus dem Subkontinent und der Rauschgifthandel die Behörden vor große Probleme.


Im Gespräch mit arabischen Kollegen


Auftritt in Dubai

Ein voller Erfolg wurde das erste Konzert des Cors der Polizei München am Abend, das allerdings erst mit einiger Verzögerung - oder besser gesagt mit arabischer Ruhe - über die Bühne gehen konnte. Bei Pfefferminzcocktail warteten die Gäste höflich, bis mit einer Stunde Verspätung der Ruler von Sharjah seine königliche Hoheit Shaikh Sultan bin Mohamed Al Qasimi eintraf. Und da das Fernsehen und die Presse anwesend waren, dehnte die arabische Polizeikapelle ihren eigenen Auftritt erst einmal in die Länge, bis endlich der Chor nach 21 Uhr zu seinem Auftritt kam.
„Am meisten hat uns gefreut, dass neben Amerikaner und Europäer auch so viele Araber mit ihren Familien gekommen waren, für letztere ist doch die deutsche Chorliteratur mit ihren Volksliedern doch etwas Neues“, meinte der Vorsitzende Walter Renner nach dem Konzert.

Bilder wie man sie sonst nur vom Fernsehen kennt - so saßen am nächsten Morgen die Münchner Polizisten in der Polizeischule am Rand der Wüste in dicken Ledersessel, während vor ihnen die Ordnungshüter des Scheichtums in Marschformation und mit Dudelsackkapelle paradierten.
Am Nachmittag dann der Besuch beim Scheich von Ajman, der die Sänger in seinem Palast empfing. Bei einem Tee wurden Gastgeschenke ausgetauscht und der bedankte sich für die Einladung mit einem Abschiedslied. Es war schon beeindruckend einmal in einem echten Scheichpalast zu sein.
Besichtigungen von Palästen und Moscheen, Polizeidienststellen und Wüstenoasen gehörten genauso zum Programm der nächsten Tage, wie zwei weitere Auftritte in Konzertsälen der großen Luxushotels am Persischen Golf.


Arabische Gastfreundschaft

 

Arabische Schönheit beim Tanz


Leider hat alles einmal ein Ende und so ging es schweren Herzens zurück aus der sommerlichen Hitze in das kalte München, und alle waren sich einig - es war wirklich




„Ein Märchen aus 1001 Nacht“
Oliver Bendixen

 
 
 
 
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