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FESTKONZERT ZUM HUNDERTJÄHRIGEN

 

- Ein Besuch im Herkulessaal -


Ein Abend, auf den ich mich besonders gefreut hatte, erwartete mich.

Die Sangesfreunde der Polizei München, die aus Anlass des 100-jährigen Bestehens ihres Chores eine Einladung in den Herkulessaal ausgesprochen hatten, waren an diesem 1. April Gastgeber in der Münchener Residenz.

Eine gute dreiviertel Stunde vor Beginn war ich bereits im Hofgarten angekommen. Erwartungsvoll flanierte ich noch ein wenig in Begleitung meiner Frau Renate umher. Dabei genossen wir in der Abenddämmerung das eindrucksvolle Umfeld und hatten den Festsaalbau der bayrischen Herzöge, Kurfürsten und Könige stets im Blick. Erinnerungen wurden wach. Mit meinem Chor hatten wir vor geraumer Zeit das außerordentliche Vergnügen, hier mit den Münchener Sangesfreunden konzertieren zu dürfen. Eine bemerkenswerte, nachhaltige Erinnerung. Gerade deshalb wusste ich, dass meine Erwartungshaltung hoch sein durfte.

Es wurde nun Zeit, die Tore waren längst geöffnet. Neben zahlreichen Delegierten des 82. Sängertages füllten eine Vielzahl weiterer Besucher sowie viele Ehrengäste den prachtvollen Raum. Auch uns war unser Platz zugewiesen worden.

Inzwischen hatte der Chor auf der Bühne Position bezogen. Dirigent Max Eberl hatte intoniert und erste Klänge ertönten, festlich, wie es dem Anlass entsprach. Die Hymne des Sängerbundes der Deutschen Polizei erklang. Bühne ResidenztheaterDoch etwas war anders als bei meinem letzten Besuch. Tatsächlich, das Licht war es. Auf einem satten Hörpolster ruhend ließ ich während des Gesanges den Blick umher schweifen. Der Saal tauchte abwechselnd in andersfarbiges Licht. Angenehm, durchaus angenehm. Applaus brauste auf. Schade, zu gerne hätte ich mich dieser angenehmen Zuhörsituation weiter hingegeben um den vollen Genuss des Gesanges ohne Unterbrechung genießen zu können. Nun war es wie es war und es schien mir leider auch nach jeder weiteren Darbietung so zu sein, dass die Leute klatschten. Man musste es hinnehmen. Interessanterweise gelang aber es dennoch, schnell wieder den Status des „nur Zuhörens“ zu erlangen. Dafür war der Münchener Chor Garant. Für viele Menschen im Raum servierte er zunächst nicht nur leichte Kost. Aber die Art der Zubereitung und wie sie serviert wurde, dürfte auch denen den Mund wässrig gemacht haben, die eher anderes gewohnt sind.

Es erklangen programmgemäß Heinrich Sutermeisters Schilflieder, die als Hits vieler Männerchorsänger gelten. „Die Rose“, ein Song zum gleichnamigen Film, seit 1979 zig-fach arrangiert, läuft eigentlich nur in seiner ureigenen Schlichtheit anderen Titeln oftmals den Rang ab. Die gehörte Version bot gleich zwei Solisten mit bemerkenswert angenehmer Stimme und eine Bearbeitung an, die gewiss wie viele andere auch, ebenfalls ihre Sympathisanten fand. Leider hört man das sich anschließende Schubertstück oft nur schlecht gesungen. Wenige Männerchöre vermögen es, im 23. Psalm die perfekte Stimmung aufzubauen, durchgehend sauber zu intonieren, dennoch gleichzeitig korrekt gegen die Triolen im Klavier zu parieren und damit diesem Kunstlied gerecht werden zu können. Die Münchener Choristen mit Max Eberl zeigten, dass sie dazu gehören. Wunderbare poetische Stimmungsbilder böhmisch-tschechischen Ursprungs erklangen im Anschluss, auch hier vor dem Chor ein angenehmer Solist in Dvoraks Heimatlied. Gebührend kräftiger Applaus beschloss diese Szene.

Die warme Moderationsstimme von Frau Martina Gedeck fing in solchen Situationen die Emotionen der Zuhörerinnen und Zuhörer schnell wieder ein. Sie kündigte nun einen Frauenchor an.

Persönlich habe ich bei singenden Frauen zunächst immer den überwältigend vollen Umfang der Chöre im Ohr, die geografisch im Osten Europas und über den Ural hinaus anzusiedeln sind. In der Regel sind diese Sängerinnen perfektionistisch erzogen und liefern dementsprechende Darbietungen ab. Aber auch in deutschen Gefilden gibt es Literatur für nur weibliche Stimmen, die zuerst einmal gesungen werden will. Vor diesem Hintergrund lehnte ich mich mit geschlossenen Augen zurück. Was ich hörte tat gut.
Zu den musikalisch mit feinem Pinsel ausgedeuteten Naturbildern gehört Rheinbergers einziger Liederzyklus für Frauenchor a cappella: die Sechs Gesänge op. 131 nach Texten von Franz Alfred Muth und Emanuel Geibel. Daraus durchwoben drei Stücke den riesigen Raum : « Der Gebirgsbach », « Gute Nacht » und « Märchenzauber ». Währenddessen hatte ich nie ein anderes Gefühl als das, das man gemeinhin mit „schön“ beschreibt. Wohlklang erfüllte permanent das Umfeld und an Perfektionismus mangelte es wahrhaft nicht. Da wackelte und quiekte es nicht im Sopran und die wenigen tiefen Stimmen der zweiten Reihe vermochten gegenüber dem Männerchor einen mindestens ebenbürtigen Basissound hinzulegen. Dass da mehr als nur Wohlerzogenheit dazu gehört, erschloss sich ganz schnell. Die Damen im Frauenchor der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor sind offensichtlich mit stimmlicher Qualität gesegnet und von ihrer Leiterin Heide Hauser bestens ausgebildet.

Schade, dass die Mitglieder im Orchester erst jetzt die Bühne betraten. Der Wechsel der sängerischen Akteure und das häufige Hin und Her mit Mikrofonen und Klavier unterbrach oft genug die gute Stimmung im Konzert. Nun, nachdem erneut Position bezogen war, durfte man sich dem instrumentalen dritten Abschnitt des ersten Konzertteils hingeben.

Die Moderatorin hätte gar nicht ankündigen müssen, dass es sich bei dem Dirigenten des Polizeiorchesters Bayern, Herrn Professor Johann Mösenbichler, um einen österreichischen Landsmann handelt. So, wie das Orchester klang, musste ein Österreicher davor stehen. Unser Nachbarland hatte wohl schon bei der Auswahl der Stücke einen Bonus bekommen, aber selbst unsere süddeutschen Orchester tun sich meist schwer, den ganz typischen Sound Straußscher Musik so hinzuzaubern wie es sich gehört. Mit den professionellen Instrumentalisten des Polizeiorchesters vermochte Mösenbichler allerdings diese Musik zu machen. Es war interessant, wie emotional, rechts klein, strikt akzentuierend und links streichelnd und tanzend zugleich er vor dem Orchester arbeitet. Beschwingt ging es in die Pause.

Michael Fischer hatte natürlich als Vorsitzender zu Beginn der Veranstaltung eine Begrüßung vorgenommen. Die meisten von ihm namentlich erwähnten Ehrengäste waren nunmehr im großen Foyer bei einem Drink anzutreffen. So ergab sich Gelegenheit, einen Plausch zu halten. Anzutreffen waren u.a. August Stern (Ltd. Oberstaatsanwalt beim Generalstaatsanwalt), Alexander Reissl, Stadtrat (i.V.d. OB), Dr. Wilfried Blume-Beyerle(Kreisverwaltungsreferent der LH München), Dr. Charlotte Knobloch (Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern). Aus dem speziell polizeilichen Ressort fanden sich Prof. Dr. Wilhlem Schmidbauer (Polizeipräsident München), Robert Heimberger (Polizeipräsident Oberbayern Süd), Peter Dathe (Polizeipräsident Bayer. Landeskriminalamt), Andreas Simbeck (Polizeidekan der kath. Polizeiseelsorge), Karl Weindler (Präsident des Bayer. Sängerbundes), Günter Löffler (Ehrenpräsident des Bayer. Sängerbundes) und Otto Möginger, Verfasser des Sängergrußes der Polizei, sowie der Vorsitzende des Sängerbundes der Deutschen Polizei, Rolf Holz. Allerdings war tatsächlich nur ein Small-Talk möglich. Denn schon ertönte der Gong.

Das Orchester fand schnell Anschluss an die Stimmung des ersten Parts und sein Bayerischer Defiliermarsch war es, der sozusagen in den alpenländischen Teil des Konzertes überleitete. Die Damen des Frauenchores, im Einzelfall begleitet von typischen und traditionsreichen Instrumenten der Gegend, vermochten es mit einigen Volksweisen perfekt, diesen Musikstil der deutschsprachigen Alpenregionen in seiner ureigenen, melodiösen Weise wiederzugeben.
Nicht weniger gut, wohl aber zu einem anderen Genre wechselnd, hörte man dann wieder den Chor der Polizei München mit einigen „Ohrwürmern“, die sowohl den Choristen als auch den Solisten ein weites Feld der Darstellung öffneten.
Die vom Dirigenten eigens gewählte Choraufstellung war hier wie auch zuvor eine prima Technik, stimmliche Besetzungsbalancen vornehmen zu können. So löste er akustische Aufgaben des Raumes besser. Dennoch, im Einzelfall wünschte ich mir von meinem Platz aus ein wenig mehr tiefe Bässe um die ganze Bandbreite mancher Partituren des Männerchorgenres genießen zu können.

Vollen Sound „satt“ gab es zum Ende des Konzertabends. Opern und deren Bearbeitungen - eigens einstudiert - machen es möglich. Gemeinsam versammelten sich Männerchor, Frauenchor und Orchester auf der Bühne. Mit einer Klangwalze füllten sie alsdann den Herkulessaal und das begeisterte Publikum stand auf zum Schlussapplaus. Logisch, es ließ die Akteure nicht ohne Zugabe gehen.

Meine Vorfreude war begründet, der Abend enttäuschte mich nicht. Ein schönes Konzert, das mich angesichts seiner musikalischen Qualität anrührte, ging damit zu Ende.

Michael Zimmer

(ehem. Bundesvorsitzender des Sängerbundes der Deutschen Polizei und ehem. Dienststellenleiter des Polizeimusikkorps des Saarlandes)


 

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